Stephanie Funke Scrimshaws

     

Wie macht man ein Scrimshaw?

 

Zunächst möchte ich ein paar Worte über die Voraussetzungen zum Scrimmen verlieren.

a) Geduld ist bei dieser Kunst unerlässlich. Bei der Arbeit mit einem Mikroskop, braucht man, je nach Motiv, ca. 40 -50 Stunden für die Fertigstellung. In dieser Arbeitszeit ist die Vorbereitung des Materials NICHT inbegriffen. Auch reagiert jedes Material und jedes Stück davon anders. So ist es manchmal leichter oder schwieriger den gewünschten Effekt zu erzielen.

b) Wichtig, und diese Fähigkeit lernt man mit jedem Scrimshaw immer mehr, ist das Analysieren des Motivs. Dies haben die meisten Menschen noch nicht richtig ausprobiert, weshalb es für sie schwierig bzw. unglaublich ist zu verstehen, wie jemand solche Dinge machen kann. Das Analysieren kann gelernt werden. Wo sind Schatten und welcher Effekt soll erzielt werden? Schatten auf der Haut sehen gepunktet weicher aus. Haare hingegen können mit der Strichtechnik gescrimmt werden, da sie ohnehin eine solche Struktur aufweisen.

c) Spaß an Detailarbeit und der Wunsch etwas schönes herzustellen ist ebenfalls eine Voraussetzung, die zumindest sehr von Vorteil ist.

1. Zweck

Zunächst ist es wichtig, welchen Zweck das Scrimshaw haben soll. Soll es eine Kette, ein Ohrring, ein besonderes Dekorationsobjekt (z.B. ein vollständiges Geweih oder ein Zahn) sein oder vielleicht einen Messergriff verzieren? Hierbei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

2. Motivauswahl

Dann muss ein Motiv ausgewählt werden.

Hierbei ist es sehr wichtig, dass man sich auf sein Bauchgefühl verlässt. Soll es ein Tiger sein oder der eigene Hund? Auch geliebte Menschen können in dieser Art von Kunst verewigt werden.

Wenn man mit dem Scrimmen beginnt, sollten die Motive zunächst einfach sein.

 

3. Materialauswahl

Anschließend wählt man das Material aus.

Meine ersten Arbeiten habe ich auf Rinderknochen und Kamelknochen angefertigt. Es eignen sich alle Knochenarten, aber auch Horn oder Kunststoffe, wie Micarta.

Am beliebtesten sind jedoch Mammutelfenbein und Elefantenelfenbein. Mammutelfenbein kann man in Sibirien und Alaska finden und es ist frei handelbar, denn Mammuts sind ja ausgestorben, deshalb müssen sie nicht mehr geschützt werden. Auch Elefantenelfenbein kann man handeln (es gibt auch glückliche Elefanten, die einen friedlichen und natürlichen Tod z.B. im Zoo sterben). Allerdings ist hierfür ein spezieller Herkunftsnachweis, sog. CITES-Papiere erforderlich, um sicher zu gehen, dass das Elfenbein auch wirklich von einem solchen glücklichen Elefanten stammt. Bei solch beschränkt handelbaren Materialien lege ich äußersten Wert auf die Herkunft, sodass sowohl moralisch als auch rechtlich alle Zweifel unbegründet sind. Natürlich wird bei diesen Arbeiten ein entsprechender Nachweis mitgeliefert. Elefantenelfenbein habe ich noch nicht bearbeitet.

Dann habe ich Wasserbüffelhorn für mich entdeckt. Dieses Material ist sehr weich aber es sieht wirklich gut aus. Auch Micarta eignet sich gut für Scrimshaws, allerdings kann man hier die Maserung noch stärker sehen, als bei den Naturmaterialien. Schließlich habe ich das Glück gehabt auch an Mammutelfenbein zu gelangen, mit welchem ich nun sehr gerne arbeite.

Zum Üben sollte man zunächst mit weniger exklusiven Materialien beginnen. Es wäre sehr schade, wenn das Scrimshaw nicht den Vorstellungen entspricht und man ein schönes Stück Mammutelfenbein "versaut" hat.

Das hier gezeigte Scrimshaw wurde auf Rinderknochen gefertigt. 

 

4. Form und Vorbereitung des Materials

Ist das Material einmal ausgesucht, muss man sich eine Form überlegen. Da kommt es ganz auf die Wünsche und vor allem das schon ausgewählte Motiv an. 

Hat man sich all dies überlegt und sieht das fertige Scrimshaw schon vor Augen, ist es an der Zeit ein bestimmtes Stück von dem gewählten Material auszusuchen.

Dieses wird schließlich in die gewünschte Form geschliffen und dann auf der oberen Seite ( also da wo das Scrimshaw draufkommt) erst ebenfalls abgeschliffen, sodass keinerlei Kratzer oder Risse mehr zu sehen sind ( bei Naturmaterialien lassen sich Risse manchmal nicht verhindern, aber das ist ja auch das Tolle daran;)). Hierfür schleife ich die Oberfläche zunächst mit 400er Sandpapier ab und arbeite mich nach oben bis 2000er Sandpapier. Dann wird die Oberfläche poliert. 

(Bei dem gezeigten Scrimshaw war es mir leider nicht möglich, dem Material vorher eine Form zu geben, da ich nicht die notwendigen Geräte in meinem Studentenzimmer besitze :) Zur Not kann man zunächst das Scrimshaw auf das Material scrimmen und anschließend dem Anhänger eine Form geben. Abgeschliffen und poliert muss die Oberfläche allerdings UNBEDINGT sein.)

5. Das Übertragen

Nun kann man sich daran machen, sein Motiv von der Vorlage (Foto, selbst gezeichnet etc.) auf das Material zu übertragen. Dies kann frei Hand oder mit Blaupapier o.ä. geschehen. Man sollte die Vorlage hierfür in der gewünschten Größe und nocheinmal sehr groß ausdrucken. Das Bild mit der Größe, welche das Scrimshaw haben soll muss dann auf dem Material befestigt werden (z.B. mit Klebestreifen).

 

6. Das Scrimmen

Und dann kommt der wichtigste Schritt. Nun wird das Motiv mit einer sehr feinen Nadel eingeritzt. Zunächst werden nur die Umrisse und wichtige Punkte sehr dünn eingeritzt. Sehr dünn, damit man bei späteren Änderungen, welche sich aus Gründen der Praxis oder Ästhetik ergeben können, unproblematisch durchführen kann. 

 

Dann beginnt man mit den Details. Ich beginne immer an einer Stelle, die mich besonders anspricht, um einen guten Einstieg zu finden. Man kann Punkten (also viele kleine Punkte nebeneinander setzen) oder mit Strichen arbeiten. Oder auch beide Techniken verbinden. Welche Technik angewandt wird, hängt vom Charakter des Motivs ab.

Ein Mikroskop oder zumindest eine Lupe ist unbedingt notwendig. Natürlich sollte man eine solche Investition nicht unüberlegt tätigen. Auch ich habe anfangs nur mit bloßem Auge gearbeitet. Stellt man fest, dass das Scrimmen einem großen Spaß macht und man diese Tätigkeit auch weiterführen will, so ist die Anschaffung eines Mikroskops unbedingt zu empfehlen. Mittlerweile habe ich mir ein Mikroskop gekauft und man sieht einen enormen Unterschied bezüglich der Qualität der Arbeiten. Das Mikroskop muss einen ausreichenden Arbeitsabstand, sowie Auflicht haben. Auf dem folgenden Bild erkennt man das Augenpaar der Sirene (nicht fertig) bei 35 facher Vergrößerung unter dem Mikroskop. 

Wenn man das gesamte Motiv eingeritzt hat, wird über die gesamte Fläche Farbe gestrichen. Je nach Matrial und verschiedenen Färbungen muss auch zwischendurch einfärbt werden. Ich verwende am liebsten Acrylfarbe. Diese wird dann abgewischt und in den bearbeiteten Flächen bleibt sie hängen, was das Motiv sichtbar macht.

Und dann ist es fertig.